Mittwoch, 15. Juli 2009
Häuser wie Gedichte
Mein Haus wuchs, wie Menschen wachsen, wie die Bäume“, schrieb Pablo Neruda über sein Domizil an der Küste von Isla Negra. Er hätte hinzufügen können: wie meine Gedichte. Denn Häuser zu entwerfen, Gedichte zu schreiben, Frauen zu lieben und Feste zu feiern, sich politisch zu engagieren und nebenbei seine Häuser mit Kunst und Kitsch bis unters Dach zu füllen – all das war dem chilenischen Dichter ein ewig unvollendeter, poetischer Akt. Dabei konnte und wollte er das Grandiose nicht vom Banalen trennen. Das macht seine Kunst- und Bauwerke für viele Leser und Besucher heute befremdlich. Sind nicht beide hoffnungslos überladen? War hier nicht einer am Werk, der sich zeitlebens sein eigenes Museum baute? Und wird nicht in den Häusern wie in den Oden der Blick auf die erlesenen Stücke immer wieder vom Trivialen verstellt?
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Isla Negra hatte ihm sofort gefallen und wurde sehr schnell zu Nerudas bevorzugtem Arbeitsort. Hier schrieb er seinen „Großen Gesang“, bis er 1949 selbst ins politische Exil floh.
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